Zwischen zwei Welten: Was Zugehörigkeit für Expats bedeutet
- Charlotte Lill

- vor 9 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Die ersten Monate in einem neuen Land sind oft randvoll: Wohnung, Behörden, Sprache, der ganze organisatorische Unterbau eines neuen Lebens. Irgendwann ist das meiste erledigt, der Alltag läuft – und genau dann taucht bei vielen Expats ein neues Gefühl auf: Es fehlt etwas. Etwas, dass zu Hause da war: Vertrautheit mit Abläufen, Sprache, meinem gewohnten Umfeld, und vertrauten Menschen.
Es ist kein akutes Problem, das sich an einem bestimmten Tag zeigt. Eher ein Gefühl, das sich einschleicht, wenn der Trubel des Ankommens nachlässt. Man spricht die neue Sprache inzwischen gut, hat einen Job, vielleicht Freunde – und merkt trotzdem, dass etwas fehlt. Vielleicht nicht einmal das alte Zuhause selbst, das bei einer Rückkehr ohnehin nicht mehr ganz dasselbe wäre. Aber auch nicht ganz das neue.
Warum dieses Gefühl so schwer zu fassen ist
Zugehörigkeit ist keine Frage von Papieren, Sprachniveau oder Aufenthaltsdauer. Man kann sprachlich fließend, beruflich erfolgreich und sozial eingebunden sein – und sich trotzdem nicht ganz zugehörig fühlen. Umgekehrt reicht manchmal ein einziges Gespräch, ein vertrauter Ort, eine Geste, um sich für einen Moment ganz angekommen zu fühlen.
Das macht es für Außenstehende schwer nachzuvollziehen, und für Betroffene schwer zu erklären. "Mir geht es doch gut, ich habe ja alles" – und trotzdem diese leise Unruhe. Viele Expats fragen sich dann, ob mit ihnen etwas nicht stimmt, weil sie nicht einfach dankbar und zufrieden sind mit dem neuen Leben, das sie sich aufgebaut haben.
Zwischen zwei Welten zu stehen, ist kein Defizit
Ich glaube, genau hier setzt oft ein Denkfehler an: Das Gefühl, nicht ganz dazuzugehören, wird oft nur als Mangel verstanden – als etwas, das behoben werden muss, am besten durch noch mehr Anpassung, noch besseres Sprachniveau, noch mehr Integration.
Dabei ist es etwas anderes: ein Übergang, in dem man noch dabei ist, eine eigene Form von Zugehörigkeit zu finden, die nicht zwingend an einem einzigen Ort hängt, und die nicht von einem Ort allein gefüllt werden muss. Manche Menschen tragen am Ende beide Welten in sich, ohne sich zwischen ihnen entscheiden zu müssen oder zu wollen. Das ist keine halbe Lösung, sondern eine Bereicherung und eine eigene, gereifte Art, im Leben zu stehen.
Was tatsächlich hilft
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es selten an Information oder gutem Willen fehlt. Wer im Ausland lebt, weiß meist sehr genau, was es bedeutet, neu anzufangen. Was häufig fehlt, ist ein Raum, in dem dieses Zwischendrin – ohne Übersetzung, ohne sich erklären zu müssen – einfach Platz hat.
Das kann ein klärendes Gespräch sein, in dem deutlich wird, was einen eigentlich beschäftigt. Manchmal ist es auch hilfreich, einen Schritt zurückzutreten und zu fragen: Was würde sich für Sie nach Ankommen anfühlen – unabhängig davon, wo Sie gerade leben? Diese Frage führt oft schneller weiter als die nach der "richtigen" Heimat.
Eine kurze Orientierung für Sie
Sie fühlen sich seit einer Weile zwischen zwei Welten, ohne genau zu wissen, warum? Das ist ein sehr verbreitetes Gefühl unter Expats, kein persönliches Versagen.
Sie haben das Gefühl, eigentlich sollte alles passen, und grübeln, warum es das nicht tut? Oft hilft schon ein klärendes Gespräch, um zu verstehen, was tatsächlich fehlt.
Sie suchen Begleitung in Ihrer Muttersprache? Das kann manche dieser Themen leichter zugänglich machen, gerade wenn es um Gefühle geht.
Sie möchten einfach jemanden, der zuhört, ohne gleich zu bewerten? Dafür bin ich gern da – persönlich, online oder bei einem Spaziergang.
Zugehörigkeitsgefühl lässt sich nicht erzwingen, aber es lässt sich finden. Wenn Sie gerade an diesem Punkt stehen, sprechen Sie mich gern unverbindlich an.

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