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Von Bibern und Beziehungen

  • Autorenbild: Charlotte Lill
    Charlotte Lill
  • 16. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen


Biberbau im Bach zwischen Wiesen und Wäldern
Hier wird Gemeinschaft gelebt

Vor einigen Tagen war ich zu Besuch bei meiner Familie auf dem Land zwischen Wald, Wiesen und Feldern. Es war ein wunderbarer, sehr warmer Sommertag. Wir trafen uns draußen im Schatten auf Getränke und selbstgemachte Apfeltaschen.


Die Neuigkeit des Tages: Biber haben sich angesiedelt und einen Damm in der Nähe im kleinen Bach gebaut. Die Kinder freuen sich, die ganze Familie wirft sich in Badekleidung und macht sich auf Erkundungstour: Hinunter zum Bach, hinein in das kühle Wasser und den Schlamm, bei dem man nie weiß, wie weit man beim nächsten Schritt einsackt. Unter kleinen Brücken und tief hängenden Ästen her, zwischen Gräsern und Kräutern, Bienen, Vögeln und Prachtlibellen, Richtung Biberburg. So eine Freude! Selbst der Hund kann sich irgendwann nicht mehr am Ufer halten und springt ins Wasser, was besonders die Kinder freut. Das anfängliche, etwas eklige Gefühl im Matsch des im Tieferen trüben Wassers längst vergessen, fangen sie an zu schwimmen und sogar zu tauchen, machen kleine Wettbewerbe und fühlen sich wie Indiana Jones. Irgendwann wird der Bach breiter, angestaut durch die Biber. Der Bach gabelt sich sogar in zwei Arme und in der Mitte liegt eine kleine Insel, beidseits erstreckt sich der kleine Biberdamm. Wir halten Abstand, um die Tiere nicht zu erschrecken, bewundern das Bauwerk und erfreuen uns an den neuen Bewohnern, bevor wir den herrlichen Rückweg antreten, der uns wieder neue Perspektiven auf den an sich schon bekannten Weg eröffnet. Zurück am Tisch wollen wir mehr erfahren: Wie leben die Biber in ihrem Bau? Wir finden heraus, dass es in den Biberburgen im Sommer angenehm kühl und im Winter bis zu 35 Grad wärmer ist als draußen, da die Biber außerordentliche Baukünstler sind. Erstaunlich. Zudem pflegen sie ihr Heim konstant. Der Eingang befindet sich unter Wasser, darauf folgt der Wohnkessel: eine erste Zone zum Reinigen und Fressen, eine zweite, trockene und saubere zum Ausruhen. Sogar ein Belüftungssystem ist integriert. Im Winter bieten die freundlichen Biber zudem Bisamratten ein Gästequartier, obwohl sie dafür keine adäquate Gegenleistung erhalten. Was für beeindruckende Tiere.

Kurz bevor wir nach Hause fahren, versuche ich noch, dem Hund den Ball abzunehmen, den er vor lauter Freude am Spiel fast zerlegt, und der versehentlich aus dem Auto gefallen war. Dabei stürze ich in der Eile auf dem Weg und schürfe am Kies ordentlich meine Knie auf. Unangenehm. Aber alles andere ist heil. Die anderen stürzen auf mich zu und helfen, wo sie können; ich merke, wie gesehen und getragen ich mich hier fühlen kann.


Was nehmen wir von diesem wunderbaren Tag mit? Wie wohltuend es ist, sich mit liebenswerten Menschen zu umgeben, Austausch und Verbindung zu pflegen und gemeinsam tolle Dinge zu erleben. Wie wichtig es ist, tragende Beziehungen zu haben, und diese zu nähren und zu fördern. Wie erfrischend ein Tag in der Natur ist, wenn wir uns mittendrin und als Teil davon erleben dürfen. Und welche Wunderwerke dort zu finden sind: Meisterwerke der Baukunst, Gemeinschaftsgefühl und Gastfreundschaft, kleine Wunder des Lebens rechts und links des Weges. Symbiosen und Koexistenz, die gemeinsam ein wunderbares, buntes Ganzes ergeben. Ich kann fühlen, wie schützenswert das alles ist, damit jede*r von uns so etwas Bereicherndes erleben darf, jetzt und in Zukunft.


Den Biberbau durften wir bestaunen und die Freuden des Bachs für einen Moment erleben. Nun lassen wir ihn wieder in Ruhe, aus Respekt und Dankbarkeit all den kleinen Bewohnern gegenüber, die sich darin tummeln.

 
 
 

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